(36) Risikomanagement und Finanzinstrumente


Grundsätze des Risikomanagements

Der Jungheinrich-Konzern verfolgt mit seinem Risikomanagement das Ziel, dass gefährdende Entwicklungen von Finanzpreisrisiken, insbesondere aus dem Zins- und Währungsrisiko, frühzeitig erkannt werden und ihnen durch systematisierte Handlungsabläufe schnell und effektiv begegnet werden kann. Weiterhin wird sichergestellt, dass nur solche Finanzgeschäfte getätigt werden, für die das notwendige Fachwissen und die technischen Voraussetzungen vorhanden sind.

Die Finanzmärkte bieten die Möglichkeit, Risiken auf andere Marktteilnehmer zu transferieren, die entweder einen komparativen Vorteil oder eine höhere Risikoaufnahmekapazität besitzen. Der Jungheinrich-Konzern bedient sich dieser Möglichkeiten ausschließlich zur Absicherung der Risiken aus operativen Grundgeschäften und zur Liquiditätsanlage und -aufnahme. Finanzgeschäfte mit Spekulationscharakter sind nach den Konzernrichtlinien unzulässig. Finanzgeschäfte des Jungheinrich-Konzerns dürfen grundsätzlich nur mit Kreditinstituten bzw. Leasinggesellschaften als Vertragspartner getätigt werden.

Die Verantwortung für die Einleitung von erforderlichen organisatorischen Maßnahmen zur Begrenzung von Finanzpreisrisiken trägt der Gesamtvorstand. Jungheinrich hat ein Risiko-Controlling und Risikomanagement- System aufgebaut, welches die Identifikation, Messung, Überwachung und Steuerung der Risikopositionen ermöglicht. Das Risikomanagement umfasst die Entwicklung und Festlegung von Methoden der Risiko- und Performance-Messung, die Überwachung von eingeräumten Risikolimits sowie die Erstellung des damit verbundenen Berichtswesens.

Im Rahmen der Konzernstrategie steuert Jungheinrich finanzielle Risiken aus dem Kerngeschäft zentral. Risiken aus dem Finanzdienstleistungsgeschäft des Jungheinrich-Konzerns sind dabei Gegenstand eines gesonderten Risikomanagements.

Die spezifischen Risiken des Finanzdienstleistungsgeschäftes sind vor allem die Risiken aus Zinsänderungen, aus Restwertgarantien gegenüber Leasinggesellschaften sowie aus den mit Kunden vereinbarten Vertragsabbruchklauseln und sonstigen Vertragsbedingungen. Zu dem allgemeinen Delkredererisiko bei Kunden wird auf die Ausführungen zu den Ausfallrisiken verwiesen.

Wesentlicher Bestandteil des Risikomanagements im Finanzdienstleistungsgeschäft sind konzernweit geltende Vertriebsrichtlinien, die zentrale Vorgaben zur Risikominimierung enthalten und damit die Gestaltungsfreiheit der Verträge mit Kunden wie mit Finanzierern hinreichend einschränken. So wird u. a. die Kalkulation von Leasing- und Rentalverträgen mit festen Zinssätzen über die gesamte Vertragslaufzeit und einer Laufzeit- und Zinskongruenz für Kunden- und Finanzierungsvertrag dargestellt.

Für die zu vereinbarenden Restobjektwerte zum Ende der Laufzeit der Verträge werden Maximalwerte formuliert, die auch länderspezifische Ausprägungen wie z. B. die des Lagerbestandes oder des Marktpreisniveaus von Gebrauchtgeräten berücksichtigen. Überschreitungen der maximal zu vereinbarenden Restobjektwerte werden im Rahmen der Risikovorsorge durch die Passivierung entsprechender Rückstellungen antizipiert. Auch die Formulierung von Abbruchklauseln in Kundenverträgen wird hinreichend eingeschränkt und an risikominimierende Vorgaben geknüpft, wie z. B. Mindestvertragslaufzeiten und -auftragsgrößen, Kündigungsfristen, Konkurrenzklauseln oder der Rückgabe des Gerätes vorangehende Verwendungsprüfungen durch den Kunden.

Marktpreisrisiken

Marktpreisrisiken sind Risiken, die den Ertrag oder den Wert einer Position verändern, wobei die Position als aktivischer oder passivischer Bilanzposten definiert ist. Diese Risiken resultieren aus der Veränderung von Zinssätzen, Devisenkursen, Aktienkursen oder sonstigen Positionen und Preisbildungsfaktoren. Hieraus leiten sich für den Jungheinrich-Konzern das Zinsänderungsrisiko und das Devisenkursrisiko ab. Die Veränderungen von Aktienkursen stellt für den Jungheinrich-Konzern kein Risiko dar, da der Konzern im Berichtszeitraum keine Anteile in Aktien hielt.

Zinsänderungsrisiken

Zinsänderungsrisiken entstehen aus der Finanzierungs- und Geldanlagetätigkeit des Konzerns. Zur Risikobestimmung werden variabel und fest verzinsliche Positionen getrennt voneinander betrachtet. Aus aktivischen und passivischen verzinslichen Instrumenten werden Netto-Positionen gebildet und ggf. Sicherungen auf die Netto-Positionen vorgenommen. Im Berichtszeitraum wurden Zinsswapgeschäfte zur Zinssicherung eingesetzt.

Die Zinsrisiken des Jungheinrich-Konzerns beinhalten Cashflow-Risiken aus variabel verzinslichen Finanzinstrumenten.

Wenn das Marktzinsniveau zum 31. Dezember 2008 um 100 Basispunkte höher (niedriger) gewesen wäre, wäre das Ergebnis um 1.045 T€ (31. Dezember 2007: 1.372 T€) höher (niedriger) gewesen. Da die Erträge und Aufwendungen aller in die Betrachtung einfließenden Finanzinstrumente in der Gewinn- und Verlustrechnung erfasst werden, ergibt sich für das Eigenkapital kein zusätzlicher Effekt.

Devisenkursrisiken

Im Jungheinrich-Konzern werden fest und nicht fest kontrahierte Fremdwährungseingänge und -ausgänge, insbesondere Umsatzerlöse und Einkaufsvolumina, bei der Ermittlung der Risikoposition berücksichtigt. Die Risikoposition ist das Netto-Währungsexposure, das sich aus der Saldierung gegenläufiger Zahlungsströme in einzelnen Währungen unter Berücksichtigung bereits getätigter Sicherungsgeschäfte für den betrachteten Zeitraum ergibt. Jungheinrich setzte im Berichtszeitraum zur Risikosteuerung Devisentermingeschäfte, Devisenswapgeschäfte und Devisenoptionsgeschäfte ein.

Zur Messung der Risikoposition „Devisenkurse“ verwendet der Jungheinrich-Konzern den Value-at-Risk- Ansatz. Der Value at Risk gibt den maximalen Verlust an, der bis zum Ende einer vorgegebenen Haltedauer mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit (Konfidenzniveau) nicht überschritten wird. Die für die Risikoberechnung verwendeten Parameter, Marktschwankungen bzw. Volatilitäten, werden aus der Standardabweichung der logarithmierten Veränderungen der letzten 180 Handelstage berechnet und auf die eintägige Halteperiode mit einem einseitigen Konfidenzniveau von 95 Prozent umgerechnet.

Zur Risikosteuerung definiert der Vorstand eine maximale Verlustobergrenze für den Gesamtkonzern. Darüber hinaus wird das Risiko einzelner Konzerngesellschaften durch festgelegte Unterlimits gesteuert. Das monatliche Reporting stellt diesen Limits die ermittelten Value-at-Risk-Werte für sämtliche offenen Positionen gegenüber.

Aus der Value-at-Risk-Betrachtung zum 31. Dezember 2008 ergab sich, dass bei einer Haltedauer von einem Tag das maximale Risiko mit einer Wahrscheinlichkeit von 95 Prozent den Betrag von 1.111 T€ (Vorjahr: 756 T€) nicht überschreiten wird. Der Value at Risk bewegte sich während des Berichtszeitraumes zwischen einem Minimum von 345 T€ (Vorjahr: 443 T€) und einem Maximum von 1.111 T€ (Vorjahr: 756 T€). Der Jahresdurchschnitt lag bei 792 T€ (Vorjahr: 535 T€).

Ausfallrisiken

Jungheinrich ist Ausfallrisiken fast ausschließlich aus dem operativen Kerngeschäft ausgesetzt. Die operativen Forderungen aus Lieferungen und Leistungen werden dezentral von den verantwortlichen Konzerneinheiten laufend überwacht. Den Ausfallrisiken wird durch den Ansatz von individuellen anlassbezogenen und auch pauschalierten Einzelwertberichtigungen Rechnung getragen.

Das gesamte Geschäft unterliegt einer stetigen Bonitätsprüfung. Gemessen an dem gesamten Risikoexposure aus den Ausfallrisiken sind dabei die Außenstände gegenüber Großkunden nicht so groß, dass diese außerordentliche Risikokonzentrationen begründen könnten. Die im Rahmen des Risikomanagements das Bonitätsrisiko mindernden Kundenvereinbarungen und Maßnahmen umfassen im Wesentlichen die Vereinbarung von Kundenanzahlungen, Teilung des Risikos mit Finanzierern, die laufende Kontrolle der Kunden über Auskunftsportale sowie den Abschluss von Kreditversicherungen.

Das maximale Ausfallrisiko wird durch die Buchwerte der in der Bilanz angesetzten finanziellen Vermögenswerte wiedergegeben. Es liegen zum Bilanzstichtag keine wesentlichen, das maximale Ausfallrisiko mindernden Vereinbarungen wie z. B. Aufrechnungsvereinbarungen vor.

Liquiditätsrisiken

Um die jederzeitige Zahlungsfähigkeit sowie die finanzielle Flexibilität des Jungheinrich-Konzerns sicherzustellen, wird eine Liquiditätsreserve in Form von Kreditlinien und Barmitteln vorgehalten. Jungheinrich hat hierzu wesentliche Anteile seiner kurzfristigen Kreditlinien in mittelfristige Kreditlinien umgewandelt. Diese Kreditlinien werden bei den Hausbanken des Konzerns gehalten und durch kurzfristige Kreditlinien einzelner Konzerngesellschaften bei lokalen Banken ergänzt.

Der Konzern ist einem Kontrahentenrisiko ausgesetzt, welches durch Nichterfüllung von vertraglichen Vereinbarungen seitens der Kontrahenten entsteht. Bei den Vertragspartnern handelt es sich im Allgemeinen um internationale Finanzinstitute. Auf der Grundlage ihres Ratings, das von angesehenen Rating-Agenturen durchgeführt wird, besteht für Jungheinrich kein bedeutsames Risiko aus der Abhängigkeit von einzelnen Kontrahenten. Das allgemeine Liquiditätsrisiko aus den eingesetzten Finanzinstrumenten wird nicht für wesentlich gehalten.

Sicherungsbeziehungen

Der Jungheinrich-Konzern sichert im Rahmen des Cashflow Hedging zukünftige variable Zahlungsströme, die sich aus teils realisierten und teils prognostizierten hochwahrscheinlichen Umsatzerlösen und Materialeinkäufen ergeben. Eine eindeutige Zuordnung von Sicherungs- und Grundgeschäften ist durch eine umfassende Dokumentation gewährleistet. Die zu sichernden Volumina werden jeweils zu höchstens 75 Prozent als Grundgeschäft designiert und können bis zu dieser Höhe vollständig gesichert werden. Insoweit können die Sicherungsbeziehungen prospektiv als hochwirksam eingestuft werden. Die Beurteilung der retrospektiven Effektivität von Sicherungsbeziehungen erfolgt zum Ende jedes Monats.

Nominalwerte von Sicherungsinstrumenten

Die Nominalwerte der Währungssicherungskontrakte belaufen sich zum Stichtag auf 177.773 T€ (Vorjahr: 109.451 T€).

Die Währungssicherungskontrakte beinhalten Devisentermin- und Devisenoptionsgeschäfte, die zur Absicherung der rollierenden 12-Monats-Exposure in den einzelnen Währungen eingesetzt werden. Die Laufzeit dieser Kontrakte geht in der Regel nicht über einen Zeitraum von 12 Monaten hinaus.

Die Nominalwerte der Zinssicherungskontrakte belaufen sich zum Bilanzstichtag auf 663 T€ (Vorjahr: – T€) und wurden zur Sicherung des langfristigen Zinsniveaus abgeschlossen. Die Laufzeiten der Zinssicherungen entsprechen denen der abgesicherten Grundgeschäfte und weisen eine Laufzeit bis zum Jahr 2013 auf.

Die aufgeführten Kontraktvolumina bzw. die Nominalwerte von derivativen Finanzinstrumenten stellen nicht immer Volumina dar, die von den Kontrahenten ausgetauscht werden, und sind daher nicht unbedingt ein Maßstab für das Risiko, dem Jungheinrich durch ihren Einsatz ausgesetzt ist.

Marktwerte von Sicherungsinstrumenten

Der Marktwert eines Sicherungsinstruments ist der stichtagsbezogene Preis, zu dem das jeweilige Instrument am Markt veräußerbar wäre. Die Marktwerte wurden auf der Basis der am Bilanzstichtag zur Verfügung stehenden Marktinformationen und der nachstehend dargestellten, auf bestimmten Preisen beruhenden Bewertungsmethoden berechnet. Angesichts variierender Einflussfaktoren können die hier aufgeführten Werte von den später am Markt realisierten Werten abweichen.

Der Marktwert von Devisentermingeschäften wird auf der Basis von aktuellen Marktkursen unter Berücksichtigung der Terminaufschläge bzw. -abschläge bestimmt. Devisenoptionen werden zum Bilanzstichtag mittels Optionspreismodellen bewertet. Der Marktwert von Zinsderivaten wird auf der Basis von aktuellen Marktzinsen unter Berücksichtigung der jeweiligen Zahlungsfälligkeiten ermittelt. Die Marktbewertung der derivativen Finanzinstrumente stellt sich wie folgt dar:

Der Marktwert der Zinssicherungen in Höhe von 16 T€ (Vorjahr: – T€) ist Bestandteil der sonstigen Verbindlichkeiten.

Im Geschäftsjahr 2008 wurden aus der Veränderung der Marktwerte von Sicherungsinstrumenten resultierende Nettogewinne von insgesamt 8.721 T€ (Vorjahr: Gewinne von 2.584 T€) direkt im Eigenkapital erfasst. Im Geschäftsjahr 2008 wurden im Eigenkapital erfasste Nettogewinne in Höhe von 3.719 T€ (Vorjahr: Nettoverluste von 652 T€) in die Umsatzkosten sowie sonstigen betrieblichen Erträge und Aufwendungen der Gewinn- und Verlustrechnung umgebucht. Die Sicherungsmaßnahmen waren bis zum Abschlussstichtag mit keinen wesentlichen Ineffektivitäten verbunden.

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