Risikofelder


Nach der Analyse der letzten Risikoinventur 2008 durch den Risikoausschuss bestehen weiterhin keine Risiken, die den Fortbestand des Jungheinrich-Konzerns gefährden könnten. Die für den Jungheinrich-Konzern bedeutenden Risikofelder sind nachfolgend aufgeführt. Sie beinhalten auch die Risiken, die insbesondere durch die Finanzkrise an Bedeutung gewonnen haben. Hierzu zählen das Risiko aus der Unternehmensfinanzierung, das Liquiditätsrisiko, das Restwertrisiko, das Forderungsausfallrisiko, das Währungsrisiko und das Lieferantenrisiko.

Gesamtwirtschaftliche und Branchenrisiken

Im Gegensatz zum vielfältigen Dienstleistungsgeschäft von Jungheinrich hängen die Herstellung und der Vertrieb von Neufahrzeugen stark von der konjunkturzyklischen Nachfrage ab. Deshalb wird auf der Basis von regelmäßigen Einschätzungen des Marktes für Flurförderzeuge, des Wettbewerbsumfeldes und der Kapitalmärkte, insbesondere im Hinblick auf Wechselkurs- und Zinsänderungen, die Entwicklung laufend beobachtet und bewertet, um Hinweise auf die künftige Auftragsentwicklung zu erhalten. Die laufende Anpassung der Produktionspläne und -kapazitäten an die zu erwartenden Auftragseingänge stellt eine wesentliche das Risiko reduzierende Maßnahme dar. In die Risikobetrachtung eingeschlossen sind auch mögliche sich aus der Marktentwicklung ergebende Änderungen der Finanzsituation bei Tochtergesellschaften.

Der globale Wirtschaftsabschwung – ausgelöst durch die Verschärfung der internationalen Banken- und Finanzkrise – erreichte mit zeitlicher Verzögerung auch die Flurförderzeugbranche. Im 4. Quartal 2008 sank das Marktvolumen weltweit um rund 40 Prozent und in Europa um über 30 Prozent. In den Ländern Osteuropas war der zu verzeichnende Marktrückgang zum Teil noch wesentlich höher. Wie auch die Entwicklung in den ersten beiden Monaten des Jahres zeigt, kann für das Jahr 2009 im Vergleich zum Vorjahr in den für Jungheinrich relevanten Märkten nur noch mit einem insgesamt erheblich niedrigeren Marktvolumen für Flurförderzeuge, Lager- und Materialflusstechnik gerechnet werden. Basierend auf entsprechenden Risikoszenarien hat sich Jungheinrich rechtzeitig auf die sich verschlechternden Rahmenbedingungen eingestellt und Maßnahmen eingeleitet, um den drohenden Folgen zu begegnen. Neben dem Abbau von Leiharbeitnehmern und Arbeitszeitkonten sowie der Einführung von Kurzarbeit wurde ein kapazitätserweiterndes Investitionsvorhaben zeitlich vorerst verschoben. Die außergewöhnlich schwache konjunkturelle Entwicklung wird sich auch – allerdings etwas weniger stark – auf das Miet- und Gebrauchtgerätegeschäft auswirken. Durch den hohen Anteil an Serviceleistungen aus einer Hand zeigt das Jungheinrich-Geschäftsmodell gerade in rezessiven Phasen mit einem relativ stabilen Umsatzanteil seine besondere Stärke.

Trotz der Finanz- und Wirtschaftskrise bestehen langfristig positive Rahmenbedingungen für ein anhaltendes Wachstum in der Logistik durch die zunehmende Arbeitsteilung im Rahmen der Globalisierung. Immer mehr Länder benötigen in wachsendem Maße moderne Flurförderzeug-Technik und Logistiksysteme. Durch sein aktuelles und innovatives Produktprogramm, die breite internationale Kundenbasis sowie die Positionierung als Vollsortimenter und Intralogistikdienstleister ist Jungheinrich gut aufgestellt, um an dieser Entwicklung maßgeblich partizipieren zu können.

Die Konsolidierung in der Flurförderzeugbranche schreitet weiter fort, wie jüngst im Berichtszeitraum durch die Übernahme eines Lagertechnikspezialisten durch einen Wettbewerber geschehen. Dies wird den Verdrängungs- und Preiswettbewerb weiter verschärfen. Auch hier sieht sich Jungheinrich dank seines Geschäftsmodells gut positioniert, um im harten Wettbewerb erfolgreich bestehen zu können.

Operative Geschäftsrisiken

Der seit Jahren zu beobachtende Konzentrationsprozess auf der Nachfrageseite führt zu einem steigenden Preisdruck im Markt und stellt damit – nicht nur bei dem derzeit eingetrübten Marktumfeld – ein laufendes Risiko dar. Der Jungheinrich-Konzern begegnet ihm vor allem dadurch, dass das Unternehmen den Direktvertrieb und das Dienstleistungsangebot ausbaut. So wird eine bessere Marktdurchdringung und Kundenbindung erreicht.

Der Trend, dass die Kunden vermehrt Neufahrzeuge leasen, wird sich im laufenden Jahr verstärken. Aufgrund der Finanzkrise wird es für einige Kunden schwieriger, ihre Investitionen aus eigener Kraft zu finanzieren bzw. ihre Finanzspielräume zu erhalten. Das Finanzdienstleistungsangebot von Jungheinrich bietet hier eine sinnvolle Alternative für den Kunden. Das sich aus solchen Geschäften möglicherweise ergebende spätere Ausfallrisiko wird durch eine umfassende Bonitätsprüfung vor Vertragsabschluss und bei größeren Projekten durch den Abschluss von Kreditversicherungen begrenzt. Sollte es dennoch zum Forderungsausfall kommen, kann dieser durch die vorzeitige Rücknahme von Fahrzeugen und die Wiedervermarktung im Rahmen des Gebrauchtgerätegeschäftes niedrig gehalten werden. Das Restwertrisiko, das sich aus der Gegenüberstellung zwischen dem Buchwert und dem Marktpreis eines Leasingfahrzeuges ergeben könnte, wird vierteljährlich überprüft. Sofern der aktuelle Marktwert unterhalb des garantierten Restwertes liegt, wird dieses Risiko im Rahmen der Bilanzierung durch die Bildung angemessener Rückstellungen und durch Wertberichtigungen auf die Bestände an Gebrauchtgeräten entsprechend berücksichtigt. Durch eine europaweite Leasing-Vertragsdatenbank ist eine konzerneinheitliche Erfassung und Risikobewertung von Finanzdienstleistungsverträgen gewährleistet.

Jungheinrich unterhielt 2008 eine Mietflotte von durchschnittlich rund 26.000 Fahrzeugen. Das Risiko langer Stillstandzeiten wird durch die laufende Anpassung der Flottengröße und der Fahrzeugstruktur an den Marktbedarf sowie an die Kundenerfordernisse und eine damit einhergehende hohe Auslastungsquote verringert.

Beschaffungs- und Einkaufsrisiken

Die wesentlichen Risiken ergeben sich aus den Materialpreiserhöhungen bei Rohstoffen, Komponenten und Handelswaren sowie aus Qualitätsproblemen und Lieferantenausfällen. Das Augenmerk war 2008 – wie schon im Vorjahr – auf die stark gestiegenen Bezugskosten für Stahl, Blei, Kupfer, Aluminium sowie Treibstoffe und Energie gerichtet. Die starke Rohstoffnachfrage und damit verbundene Preissteigerungen setzten sich in der ersten Jahreshälfte 2008 auf den Weltmärkten fort, ehe sie im weiteren Verlauf mit der weltweiten Konjunkturabkühlung nachließen. Trotz des einsetzenden Nachfragerückganges kam es aufgrund des zeitlichen Vorlaufes in der Materialbeschaffung bei den Produktionswerken und in der zentralen Beschaffung von Ersatzteilen für die konzernweite Versorgung des Jungheinrich-Servicenetzes zu weiter ansteigenden Materialpreisen. Jungheinrich konnte Ende November und Dezember 2008 an dem stark rückläufigen Trend partizipieren und bei den wichtigsten Komponenten Bestellungen mit reduzierten Einkaufspreisen platzieren. Für das Geschäftsjahr 2009 wird sich das niedrigere Preisniveau vor allem im zweiten Halbjahr positiv auswirken. Im Berichtszeitraum gab es keine Lieferengpässe. Die Qualität der angelieferten Waren hat sich deutlich verbessert. Dies führte zu einer günstigeren Lieferantenbeurteilung. Trotz der Finanz- und Wirtschaftskrise sind zum gegenwärtigen Zeitpunkt nur wenige Lieferanten in einer finanziellen Schieflage. Jungheinrich erwartet aber tendenziell eine Zunahme und hält deswegen sehr engen Kontakt zu seinen Lieferanten, um erforderlichenfalls rechtzeitig reagieren zu können.

Finanzrisiken

Wesentliche Risiken in diesem Bereich sind die Zins- und Währungsrisiken. Sie unterliegen einem regelmäßigen Monitoring. Aus der Veränderung von Zinssätzen und Währungskursen entstehen operative Risiken für den Jungheinrich-Konzern, die im Rahmen des gesonderten Risikomanagements gesteuert werden. Jungheinrich setzt zur Steuerung dieser Risiken Finanzinstrumente wie z. B. Devisentermingeschäfte, Devisenswapgeschäfte, Devisenoptionsgeschäfte und Zinsswapgeschäfte ein. Aufbauend auf den Anforderungen, die das Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG) an das Risikomanagement eines Unternehmens stellt, hat Jungheinrich in einer Verfahrensrichtlinie Kontrollmechanismen für den Einsatz von Finanzinstrumenten definiert. Hierzu gehört u. a. eine klare Trennung zwischen Handel, Abwicklung, Buchhaltung und Controlling.

Die internationale Finanzkrise hat derzeit keinen wesentlichen Einfluss auf die Finanzierung von Jungheinrich. Die gute Bonität und die solide Aufstellung des Unternehmens zahlten sich bei der Kreditmittelbeschaffung für die Folgejahre aus. Neben den kurzfristigen Kreditrahmen verfügt Jungheinrich über mittelfristige Kreditrahmen von rund 300 Mio. € mit einer Laufzeit von 3 bis 7 Jahren zur Finanzierung des operativen Geschäftes. Damit ist auch die Finanzierung eines künftigen Wachstums gesichert. Ein zunehmender Druck auf die Kreditmarge ist aufgrund höherer Einstandskosten der Banken erkennbar. Durch den hohen Bestand an liquiden Mitteln, aus dem Jungheinrich jederzeit seine Zahlungsverpflichtungen erfüllen kann, besteht kein Liquiditätsrisiko. Da Jungheinrich konzernweit eine konservative Anlagepolitik verfolgt, hat das Unternehmen nicht in Kurs- und Ausfallrisiken unterliegende Wertpapiere (z. B. Aktien) investiert.

Der Konzern ist einem Vertragspartnerrisiko ausgesetzt, das durch Nichterfüllung von vertraglichen Vereinbarungen seitens der Vertragspartner, in der Regel internationale Finanzinstitute, entsteht. Auf der Grundlage ihres Ratings, das von angesehenen Rating-Agenturen durchgeführt wird, besteht für Jungheinrich kein bedeutsames Risiko aus der Abhängigkeit von einzelnen Vertragspartnern. Das allgemeine Kreditrisiko aus den eingesetzten derivativen Finanzinstrumenten wird nicht für wesentlich gehalten. Derivative Finanzinstrumente werden zu keinem anderen Zweck als der ausschließlichen Absicherung gegen Zins- und Währungsrisiken genutzt. Zum 31. Dezember 2008 bestanden im Konzern Devisensicherungsgeschäfte im Volumen von 178 Mio. € (Vorjahr: 109 Mio. €). Die bestehenden Devisensicherungsgeschäfte haben überwiegend eine Laufzeit von unter einem Jahr. Zinssicherungen für Grundgeschäfte zum 31. Dezember 2008 bestanden in Höhe von 0,7 Mio. € (Vorjahr: keine).

Weiterführende Erläuterungen zu den Finanzinstrumenten sind dem Konzernabschluss der Jungheinrich AG zu entnehmen.

Rechtsrisiken

Allgemeine Vertragsrisiken werden durch die konzernweit vorgegebenen Richtlinien weitgehend ausgeschlossen. Darüber hinaus erfolgt eine zentrale Betreuung und juristische Beratung zu den wesentlichen Verträgen in den einzelnen Zuständigkeitsbereichen. Im Zusammenhang mit der Beendigung der Geschäftstätigkeit der MIC S.A. konnten noch nicht sämtliche anhängige Rechtsstreitigkeiten beendet werden. Darüber hinaus bestehen derzeit keine wesentlichen Risiken aus Rechtsstreitigkeiten gegenüber Dritten.

Zurückblättern: Risikomanagement Lesen Sie weiter: Ereignisse nach Ablauf des Geschäftsjahres 2008